25.07.2020, von Nico Reinhard

Retten und Bergen einer vermissten Person (Teil2)

Der heutige Ausbildungsdienst war für die Helfer wie auch den Gruppenführer der 1. Bergung eine kleine Überraschung. In Absprache mit dem Zugführer sollten die in den letzten Diensten gewonnen Erkenntnisse in einer überraschenden Übung angewandt werden. In den vergangenen Ausbildungsdiensten ging es unter anderem um das Erkunden und Absuchen von Flächen und Gebäuden sowie der Rettung von Personen aus Bereichen, die nicht leicht zugänglich sind.

Dafür wurde gestern Abend von zwei Helfern unsere ca. 70 kg schwere Übungspuppe in einem Waldgebiet nahe der Ortschaft Marienheide platziert.

Zur Sicherheit wurde die Rettungsleitstelle des Oberbergischen Kreises darüber informiert, falls Wanderer die Übungspuppe versehentlich mit einer wirklich hilflosen Person verwechseln sollten und den Notruf wählen. Somit war sichergestellt, dass es über den Abend und die Nacht nicht zu Fehlalarmierungen anderer Hilfsorganisationen kommt.

Am Morgen begann der Dienst wie üblich mit einer kurzen Begrüßung durch den Ortsbeauftragten sowie der Information der Anwesenden über die Neuigkeiten seitdem letzten Dienst. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Helfer noch nicht was heute auf dem Programm stand und waren gespannt auf das Ausbildungsthema, was wie üblich mit einer kurzen Theorie beginnen sollte. Dazu kam es aber nicht. Direkt im Anschluss der Begrüßung bekam der Gruppenführer einen Einsatzauftrag über eine Personensuche. Ein kurzer Moment sich zu sammeln und zu realisieren, was da grade passiert ist.

Schnell den GKW1 (Gerätekraftwagen) besetzen (Mund-Nasen-Bedeckung nicht vergessen) noch ein kurzer Blick auf die Karte um die Koordinaten und den richtigen Anfahrtsweg zu finden und schon ging es los.

Die Anfahrt gestaltete sich unkompliziert und war schnell erledigt. Vor Ort wurde sich noch mal kurz orientiert, in welchem Bereich und auf welche Art am besten gesucht wird. Es wurde schnell festgestellt, dass es schon was anderes ist eine Flächensuche auf bekannten Übungsgebieten mit festen Grenzen durchzuführen oder in einem weitläufigen Wald. Dennoch wurde schnell erkannt, dass in diesem Waldgebiet mehr als nur Bäume und Gestrüpp zu finden ist.

Ca. 100m vom Weg entfernt wurde eine Kalksteinhöhle gefunden, die laut einer angebrachten Beschilderung mit insgesamt 25m Gängen bis zu 7m unter die Erde führte.

Aufgrund von frischen Kriechspuren wurde beschlossen, einen genaueren Blick hinein zu werfen. Also wurden schnell zwei Helfer mit PSA (Persönlicher-Schutz-Ausstattung) und Handlampen ausgerüstet. Gesichert ging es in den größeren Eingangsbereich der Höhle, in dem die vermisste Person leider nicht zu finden war. Also ging es weiter hinein, klein machen, Füße voran und ab in den ersten Kriechgang. Zum Glück wurde nach der ersten Biegung der Raum etwas größer, dass man sich wieder etwas freier bewegen konnte. Dort wurde auch die Puppe schnell gefunden. Doch wie sollte sie da raus? Mit Schleifkorb um die Ecke? Und dann noch durch diesen engen Gang? Das hätte viel Arbeit mit dem Klappspaten bedeutet um das Loch größer zu bekommen.

Da wir ja auch nur zu Gast in der Natur sind, und diese nicht durch unsere Übungen leiden soll, wurde schnell beschlossen, dass es andere Möglichkeiten geben muss. Zum Glück haben wir auf dem GKW noch eine Bergeschleppe, die für solch beengte Verhältnisse ideal ist. Also wurde diese gesichert durch eine Leine zu dem Helfer in der Höhle durchgeschoben. Nach kurzem überlegen, wie eine Person auf der Bergeschleppe befestigt wird (wird nur sehr selten verwendet, und deswegen auch nicht ganz so oft geübt), war die Person doch recht zügig gesichert, und konnte mit vereinten Kräften nach draußen gezogen werden. Außerhalb der Höhle wurde die Person noch in den Schleifkorb umgelagert, womit der Transport zu einem möglichen Anfahrtsweg für den Rettungsdienst zurückgelegt wurde.

Dort angekommen, wurde die Übung erfolgreich beendet und eine wohlverdiente Pause eingelegt, bevor das Material und die Sicherungen zurückgebaut und auf dem GKW verlastet wurden.

Wie üblich fand zum Ende noch eine kurze Nachbesprechung statt, in der sich alle Helfer und der Gruppenführer einig waren, dass dies eine interessante Übung mit kleinen Überraschungen war. Es waren noch kleine Schwächen vorhanden (es wird geübt, um Schwächen zu finden und besser zu werden), aber ohne vorherige Planung wurde auch mit dieser kniffligen Situation sicher umgegangen und die vermisste Person aus ihrer Notlage befreit.


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